Marc Perl-Michel, Keynote-Speaker, Branding, Happy Place, Avocado-Prinzip

Agentic Commerce: Bleibt der Handel menschlich?

Agentic Commerce verändert den Handel. Erfahre, wie KI-Agenten einkaufen und warum Marken durch Klarheit, Vertrauen und echte Erlebnisse dauerhaft gewinnen.

Inhaltsverzeichnis

KI-Agenten verändern, wer einkauft. Doch Vertrauen, Haltung und echte Erlebnisse entscheiden weiterhin, welche Marken für Menschen relevant bleiben.

Stell dir vor, du brauchst eine neue Waschmaschine. Statt selbst Testberichte zu lesen, Preise zu vergleichen und Lieferzeiten zu prüfen, gibst du den Auftrag einfach an deinen persönlichen KI-Agenten weiter. Dieser beobachtet den Markt, wartet auf das passende Angebot und wickelt den Kauf innerhalb deiner festgelegten Grenzen selbstständig ab.

Agentic Commerce verändert deshalb nicht nur, wie Menschen einkaufen. Er verändert, wer die eigentliche Transaktion ausführt. Damit stellt sich eine entscheidende Frage: Was bleibt von einer emotionalen Marke, wenn der Käufer keine Augen hat, keine Geschichten fühlt und sich nicht von einer schönen Website beeindrucken lässt?

Drei Vorträge bei „UNLEASH meets KnowledgeMove“ in Hannover haben diese Entwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Dabei ging es um sichere KI-Agenten, neue Strukturen im E-Commerce und die Rolle des Menschen in automatisierten Prozessen. Für mich entstand daraus eine wichtige Erkenntnis: Der Happy Place wird nicht überflüssig. Allerdings muss er künftig für Menschen fühlbar und für Maschinen verständlich sein.

Was verändert Agentic Commerce im Handel wirklich?

Anna Graf, Innovation Lead Emerging Tech bei Arvato Systems, beschäftigte sich in ihrem Vortrag zunächst mit der Kontrolle autonomer KI-Systeme. Denn sobald ein Agent nicht mehr nur empfiehlt, sondern selbstständig handelt, braucht er klare Regeln. Er muss wissen, was er darf, welches Risiko vertretbar ist und wann ein Mensch eingreifen muss.

Dafür nutzte Anna Graf ein herrlich alltägliches Bild. Eine Waschmaschine kann korrekt auf 90 Grad eingestellt sein. Liegt jedoch versehentlich ein empfindliches Kleidungsstück zwischen den Handtüchern, wird aus einem richtigen Auftrag trotzdem ein teurer Fehler.

Genauso handeln KI-Agenten. Sie verfolgen ein Ziel, aber sie verstehen nicht automatisch jeden menschlichen Zusammenhang. Deshalb braucht es zwischen Entscheidung und Ausführung eine Kontrollinstanz, die Kontext, Mandat, Risiko und Zeitpunkt bewertet.

Gerade im KI-gestützten Handel wird Vertrauen dadurch neu definiert. Wir vertrauen nicht darauf, dass ein Agent niemals Fehler macht. Stattdessen vertrauen wir darauf, dass seine Entscheidungen begrenzt, überprüfbar und notfalls stoppbar bleiben.

Kai-Thomas Krause, Co-Founder und CPTO von ShopAgentic, führte diesen Gedanken anschließend weiter. Seine zentrale Aussage: Die bisherigen Entwicklungsstufen im E-Commerce veränderten vor allem, wie Menschen einkaufen. Agentic Commerce verändert dagegen, wer einkauft.

Während ein Mensch durch einen Shop navigiert, Farben wahrnimmt und Texte liest, verarbeitet ein KI-Agent in kurzer Zeit große Datenmengen. Gleichzeitig kann er zahlreiche Angebote vergleichen. Ihn interessieren daher vor allem strukturierte Produktdaten, aktuelle Preise, verfügbare Bestände, Lieferbedingungen, Bewertungen und nachvollziehbare Beweise.

Schließlich übertrug Joshua Martinez Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von bundesweit.digital, das Thema auf die gesamte Unternehmensführung. Für ihn geht es nicht nur um leistungsfähige Werkzeuge. Vielmehr müssen Menschen, Prozesse, Daten und Technologie sinnvoll zusammenspielen.

Wird der Mensch beim Einkaufen jetzt überflüssig?

Die kurze Antwort lautet: Nein. Allerdings wird der Mensch nicht mehr jeden einzelnen Schritt selbst ausführen.

Schon heute lassen sich Menschen von KI bei der Produktsuche unterstützen. Im März 2026 konvertierten Besucher, die über eine KI-Anwendung auf eine US-amerikanische Handelsseite gelangten, laut Adobe 42 Prozent besser als klassischer Traffic. Zudem lag der Umsatz pro Besuch 37 Prozent höher. Diese Menschen hatten einen großen Teil ihrer Recherche bereits erledigt und kamen entsprechend vorbereitet im Shop an. Adobe ordnet diese Entwicklung ausführlich ein.

Allerdings belegen diese Zahlen noch keine massenhaften autonomen Einkäufe. Sie zeigen zunächst, dass KI Kaufentscheidungen vorbereitet und qualifiziert. Trotzdem entstehen bereits Systeme, die auch den anschließenden Kauf übernehmen können.

OpenAI entwickelte gemeinsam mit Stripe das Agentic Commerce Protocol. Dadurch können Produkte direkt innerhalb von ChatGPT entdeckt und gekauft werden. Google unterscheidet beim Agent Payments Protocol wiederum zwischen Käufen, die ein Mensch unmittelbar bestätigt, und Aufträgen, die vorher so genau definiert wurden, dass ein Agent später selbstständig handeln darf.

Damit verschwindet der Mensch nicht aus dem System. Schließlich entscheidet er weiterhin, welchem Agenten er vertraut, welche Grenzen gelten und was ein gutes Ergebnis bedeutet. Außerdem trägt er die Folgen der Entscheidung und erlebt das Produkt nach der Lieferung.

Eine aktuelle Untersuchung des IFH KÖLN mit 1.000 Konsumentinnen und Konsumenten zeigt sogar eine deutliche Präferenz für menschliche Unterstützung, sobald Entscheidungen individueller werden. Bei emotionalen oder sensiblen Gesprächen bevorzugen 88 Prozent einen Menschen. Bei Kulanzentscheidungen sind es 74 Prozent und bei individueller Beratung 71 Prozent. Die Ergebnisse der Studie „The Human Touch“ findest du beim IFH KÖLN.

Was würdest du deshalb einem Einkaufsagenten erlauben? Darf er Waschmittel nachbestellen, aber kein Auto auswählen? Genau diese persönliche Grenze entscheidet künftig über die Rolle von KI im Handel.

Wo bleibt der Happy Place, wenn KI entscheidet?

Der Happy Place verliert dort an direkter Wirkung, wo ein Produkt vollkommen austauschbar ist. Wenn nur Preis, Lieferzeit und Verfügbarkeit zählen, hat eine emotionale Geschichte wenig Einfluss auf die einzelne Transaktion. Das sollten wir ehrlich anerkennen.

Jedoch sucht ein Agent nicht automatisch das billigste Angebot. Er sucht das beste Ergebnis innerhalb der Regeln, die ihm ein Mensch gegeben hat. Dabei können ebenso Nachhaltigkeit, Herkunft, Reparierbarkeit, Servicequalität, Retourenbedingungen oder eine bevorzugte Marke berücksichtigt werden.

Genau hier zeigt sich die neue Bedeutung des Happy Place. Eine gute Erfahrung aus der Vergangenheit kann zur künftigen Einkaufsregel werden. Wer zuverlässig liefert, bei Problemen fair handelt und Menschen das Gefühl gibt, gut aufgehoben zu sein, landet möglicherweise auf der Liste bevorzugter Anbieter.

Verbindung wirkt dann nicht mehr unbedingt vor jeder einzelnen Transaktion. Sie hat sich vielmehr in einer früheren Erfahrung aufgebaut. Deshalb lautet die neue Customer Journey:

  • Verbindung schafft Präferenz.
  • Präferenz wird zur Regel.
  • Die Regel steuert den KI-Agenten.
  • Das Erlebnis nach dem Kauf bestätigt oder verändert die Präferenz.

Der Happy Place verlagert sich somit vom sichtbaren Kaufmoment in das gesamte Vertrauenssystem. Vor dem Kauf prägt er Erwartungen. Während des Kaufs liefert er nachvollziehbare Gründe. Danach muss das Unternehmen sein Versprechen tatsächlich einlösen.

Das gilt im B2C ebenso wie im B2B. Ein Agent kann regelmäßig Büromaterial, Ersatzteile oder Verbrauchsprodukte bestellen. Bei einer komplexen Softwarelösung, einer strategischen Beratung oder einem Veränderungsprozess bleiben jedoch Sicherheit, persönliche Passung und menschliches Vertrauen entscheidend.

Wie werden Angebote für KI-Agenten verständlich?

An dieser Stelle bekommt das Avocado-Prinzip eine zusätzliche Bedeutung. Der Kern einer Marke besteht weiterhin aus Haltung, Werten und Überzeugungen. Allerdings müssen Unternehmen künftig deutlicher benennen, welche Entscheidungen niemals allein dem niedrigsten Preis geopfert werden dürfen.

Das Fruchtfleisch umfasst Menschen, Prozesse und Kommunikation. Dazu gehören nun ebenfalls verlässliche Produktdaten, aktuelle Bestände, nachvollziehbare Regeln, funktionierende Schnittstellen und eine klare Übergabe an einen Menschen. Denn eine freundliche Markengeschichte hilft wenig, wenn das Produkt anschließend nicht lieferbar ist oder der Kundenservice niemanden erreicht.

Die Schale erhält dagegen zwei Oberflächen. Eine Seite spricht den Menschen durch Sprache, Bilder, Geschichten und Erlebnisse an. Die andere Seite stellt Fakten, Eigenschaften, Bedingungen und Beweise so bereit, dass KI-Agenten sie lesen und vergleichen können.

Eine Grounding Page kann für Dienstleister, Berater und persönliche Marken ein wichtiger Teil dieser maschinenlesbaren Oberfläche sein. Sie bündelt eindeutig, wer hinter einem Angebot steht, für wen es geeignet ist, wie die Zusammenarbeit abläuft und welche nachprüfbaren Erfahrungen vorhanden sind.

Für klassische Onlineshops reicht eine solche Seite jedoch nicht aus. Dort braucht es strukturierte Produktkataloge, Varianten, Preise, Bestände, Lieferinformationen und technische Anbindungen. Schließlich verarbeitet eine KI nicht nur schöne Aussagen. Sie braucht belastbare Informationen, um eine Empfehlung begründen zu können.

Frag dich deshalb einmal ganz konkret: Könnte ein KI-Agent dein Angebot vollständig verstehen, mit anderen Angeboten vergleichen und einem Menschen erklären, warum es zu ihm passt? Wenn nicht, fehlt dir möglicherweise keine bessere Werbung. Dann fehlt dir Klarheit.

Wie bleibt der Handel künftig menschlich und wirksam?

Die größte Gefahr liegt nicht darin, dass KI den Handel vollständig übernimmt. Gefährlicher ist ein Handel, der sich aus Angst vor dieser Entwicklung nur noch auf Daten und technische Schnittstellen konzentriert. Denn Maschinen können Transaktionen vereinfachen, aber sie erleben weder Vorfreude noch Dankbarkeit, Enttäuschung oder Zugehörigkeit.

Deshalb sollten Unternehmen künftig fünf Ebenen miteinander verbinden:

  • Auffindbarkeit: Können KI-Systeme das Unternehmen und seine Angebote entdecken?
  • Verständlichkeit: Sind Produkte, Leistungen und Unterschiede eindeutig beschrieben?
  • Vertrauenswürdigkeit: Gibt es Beweise, Bewertungen, Garantien und transparente Bedingungen?
  • Erlebbarkeit: Spüren Menschen die versprochene Haltung in Lieferung, Service und Kommunikation?
  • Loyalität: Gibt es gute Gründe, den Anbieter künftig wieder als bevorzugte Wahl festzulegen?

Technische Agentic Readiness sorgt dafür, dass ein Unternehmen überhaupt berücksichtigt werden kann. Der Happy Place sorgt dagegen dafür, dass hinter den Daten ein Angebot steht, das Menschen wirklich wollen und dem sie langfristig vertrauen.

Vielleicht wird die Transaktion künftig immer häufiger unsichtbar. Dennoch bleibt das Erlebnis sichtbar, fühlbar und erinnerbar. Genau deshalb wird menschliche Nähe nicht unwichtiger. Sie bekommt einen höheren Wert.

Welche Unternehmen werden in dieser neuen Welt gewinnen? Nicht zwangsläufig die lautesten Marken. Ebenso wenig gewinnen automatisch die billigsten Anbieter. Erfolgreich werden diejenigen sein, die ihre Bedeutung klar ausdrücken, ihre Versprechen beweisen und ihre Kunden auch nach einem automatisierten Kauf nicht vergessen.

Wenn du dich bereits mit KI im Handel beschäftigst, interessiert mich deine Sicht: Welche Kaufentscheidung würdest du heute schon an einen KI-Agenten delegieren – und welche ganz bewusst nicht? Teile den Beitrag gerne mit Menschen, die gerade über die Zukunft ihres Handels, ihrer Marke oder ihrer Customer Journey nachdenken.

Fazit

Agentic Commerce verändert den Handel grundlegend. KI-Agenten im E-Commerce werden Produkte suchen, Angebote vergleichen, Bestände beobachten und zunehmend auch Käufe ausführen. Dadurch verlieren manche gewohnten Marketingmechanismen an Wirkung.

Der Happy Place bleibt trotzdem relevant. Denn der Mensch bestimmt weiterhin, was für ihn Qualität, Sicherheit und ein gutes Ergebnis bedeuten. Außerdem erlebt nur er, ob ein Unternehmen sein Versprechen wirklich hält.

Der Handel der Zukunft muss daher zwei Sprachen sprechen. Eine für Menschen. Eine für Maschinen.

Nicht entweder emotional oder strukturiert. Sondern menschlich gemeint, maschinell verstanden und im Alltag verlässlich erfüllt.

KI-Hinweis

Das Bild und dieser Content wurden mithilfe von KI erstellt – auf Basis menschlicher Gedanken, Überzeugungen und Erfahrungen. Die Ideen sind echt, die Worte wurden gemeinsam mit KI verfasst und manuell redigiert. Transparenz ist mir wichtig, weil auch das ein Signal ist, das ich bewusst sende.

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Bild von Marc Perl-Michel

Marc Perl-Michel

Ich begleite seit rund 40 Jahren Unternehmen, Führungskräfte und Selbstständige dabei, ihre Marken lebendig zu machen und aus Kundenerlebnissen echte Begeisterung zu formen. Mein Ansatz verbindet Psychologie, Markenführung, Storytelling und Leadership zu einem klaren System, das ich als Happy Place bezeichne.

Inspiration finde ich seit jeher in den Disney-Themenparks. Orte, an denen jedes Detail zählt, Kunden zu Gästen werden und aus Geschichten Welten entstehen. Diese Mischung aus Exzellenz und Emotion übersetze ich in Strategien, die in jedem Unternehmen wirken können.

Als Speaker, Mentor und Autor bin ich bekannt für klare Worte, praxisnahe Impulse und die Fähigkeit, auch komplexe Zusammenhänge einfach und berührend darzustellen.

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